Fledermäuse
Fledermäuse
Zu allen Zeiten waren Fledermäuse mit einem Hauch von Mystik umgeben. Viele Menschen verbinden Horrorfilme und blutsaugende Vampire mit ihnen, andere wiederum bewundern ihre Flug- und Navigationsfähigkeit.
Nicht weniger als 900 aller Säugetierarten auf der Erde sind Fledermäuse, und sie leben so gut wie überall außer in der Antarktis und in anderen polaren Regionen. Dort ist es für sie zu kalt. In Mitteleuropa sind knapp 30 Arten verbreitet.
Man unterscheidet zwei Gruppen von Fledertieren, die Fledermäuse und die Flughunde, wobei letztere in Europa nicht vorkommen. Die meisten Fledermäuse sind Insektenfresser. Aber Fledermäuse fressen auch Früchte, Fische, Frösche, Nagetiere oder trinken Nektar. Nur drei aller Fledermausarten, die es auf der Erde gibt, die sogenannten Vampirfledermäuse, die man in Zentral- und Südamerika antreffen kann, ernähren sich tatsächlich vom Blut anderer Tiere.
Wo fühlen sich Fledermäuse wohl?
Meistens denkt man an dunkle Höhlen, wenn man sich Fledermäuse vorstellt. Sie sind aber genauso oft im offenen Gelände zu finden, im Wald, in Städten und am Wasser.
Fledermäuse fliegen bevorzugt in der Nähe von Bäumen oder Büschen, weil sie sich an den Pflanzen gut orientieren können, aber auch, weil es dort reichlich Insekten gibt. Fledermäuse sind ausgezeichnete Mückenjäger. Ein Fledermausweibchen frisst im Laufe einer Nacht bis zu 5.000 Mücken.
Abends kann man Fledermäuse auch in der Nähe von Straßenlaternen auf der Jagd nach Nachtfaltern beobachten, die vom Laternenlicht angezogen werden.
Im Sommer findet man Fledermäuse in Kirchtürmen, Fledermauskästen, unter Brücken oder auf Dachböden.
Jahresablauf
Das Klima hat einen großen Einfluss auf das Leben und das Verhalten der Fledermäuse. Im Herbst, bevor es Zeit wird, sich auf das Überwintern vorzubereiten, suchen sich die Männchen ihre Weibchen, um sich zu paaren. In der Winterzeit, von Oktober bis März, wenn das Nahrungsangebot nicht sehr üppig ist, suchen sich die Fledermäuse einen dunklen, feuchten Ort, zum Beispiel eine Höhle, in der die Temperatur sich den ganzen Winter über gleichmäßig bei 0 – 5° hält, um dort zu überwintern. Im Winter verliert eine Fledermaus von einem Viertel bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts.
Einige Fledermausarten zieht es wie die Zugvögel im Winter in wärmere Gefilde, wobei es Fledermausarten gibt, die eher weit in den Süden ziehen, und andere, die nur kurze Strecken zurücklegen, bis sie ihr Winterquartier aufschlagen. Die Befruchtung findet bei günstiger Witterung erst im Frühjahr statt. Die trächtigen Weibchen finden sich zu Wochenstuben zusammen, in denen sie ihre Jungen gebären und gemeinsam aufziehen. Fledermäuse bringen im Durchschnitt jährlich nur ein Junges zur Welt, werden dafür aber oft recht alt; sie haben eine Lebenserwartung von bis zu 30 Jahren.
Die Sinne
Fledermäuse haben mehrere sehr gut entwickelte Sinne. Sie orientieren sich durch Echolokation, indem sie Ultraschallwellen ausstoßen, das Echo ”enträtseln” und so ihren Weg finden. Da die Ultraschallrufe im Hochfrequenzbereich angesiedelt sind, können insbesondere Objekte in nächster Nähe gut lokalisiert werden. Es kann daher passieren, dass Fledermäuse als unangenehm ”aufdringlich” empfunden werden können, wenn sie sich in der Nähe von Menschen bewegen, da sie uns sehr schlecht lokalisieren können.
Beim Fang von Insekten werden die Rufe der Fledermäuse kürzer und stärker frequenzmoduliert.
Es ist falsch zu glauben, dass Fledermäuse blind seien. Da das Echoortungssystem sehr gut bei kurzen Distanzen funktioniert, benutzen sie ihre Augen nur, wenn sie längere Strecken zurücklegen.
Fledermausarten
In Norden und in Mitteleuropa findet man vorwiegend u. a. folgende Arten: Graues Langohr, Nordfledermaus, Großes und Kleines Mausohr, Wasserfledermaus, Zwergfledermaus, Kleine Bartfledermaus.
Bedrohung
Fledermäuse stellen einen wichtigen Teil unserer biologischen Vielfalt dar. Durch das Trockenlegen von Seen und Gewässern und die damit verbundene Vernichtung der Lebensräume von Insekten, das Sanieren von alten Häusern und die Versiegelung potentieller Schlafplätze z. B. verlieren viele Fledermausarten ihren Lebensraum und gelten bereits als bedroht oder gefährdet.
Knapp 20 der deutschen Fledermausarten werden in den unterschiedlichen Gefährdungskategorien der Roten Liste geführt.
Warum Fledermauskästen?
Die Bestände vieler europäischer Fledermausarten sind rückläufig. Flachkästen tragen zur Bestandssicherung bei, denn sie bieten den Tieren ein Zuhause. Fledermäuse leben z. B. in Baumhöhlen. Da heutzutage jedoch kaum alte Bäume stehen bleiben, bietet der Flachkasten eine gute Alternative.
Es ist ratsam, in einem bestimmten Areal mehrere Kästen anzubringen, da Fledermäuse gern eine Auswahl an Quartieren haben, wenn sie sich gestört oder bedroht fühlen. Ausserdem sind Fledermäuse sehr soziale Tiere, die gern in Gruppen zusammenleben. Ein weiterer Vorteil von Fledermauskästen ist, dass sie dann nicht auf die Idee kommen, einen Unterschlupf im Dachstuhl Ihres Hauses zu suchen! Fledermäuse brauchen nur einen schmalen Schlitz von einem Zentimeter, um den Weg in den Kasten zu finden.
Der Flachkasten sollte in einer Höhe von drei bis vier Metern über dem Boden aufgehängt werden (mit einem Aluminiumnagel an einem Baumstamm oder einem Stahlnagel an eine Hauswand direkt unter der Dachkante). Es ist darauf zu achten, dass der Anflug ungehindert erfolgen kann, d. h. dass der Kasten nicht durch Äste o. ä. verdeckt wird. Angebracht werden sollte er an einem halbschattigen Platz in Süd-West-Richtung.